Masterstudierende in Brasilien

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Autorin: Caroline Engel

Wie funktioniert Sportmanagement in Brasilien und welche Rolle spielen Sport, Gesellschaft und Kultur im Alltag des Landes? Diesen Fragen gingen wir vom 10. April bis zum 28. April 2026 im Rahmen des Moduls „Sportmanagement in anderen Kulturen“ unseres Masterstudiengangs Internationales Sportmanagement M.Sc. nach. Als Gruppe von sechs Studierenden der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz reisten wir nach Brasilien, um vor Ort Einblicke in die brasilianische Sportkultur, das nationale Sportsystem sowie gesellschaftliche Themen rund um den Sport zu gewinnen. Die Exkursion verband akademische Inhalte mit kulturellen Erfahrungen und zahlreichen gemeinsamen Erlebnissen.

Nach unserer Ankunft in Rio de Janeiro verbrachten wir zunächst einen entspannten Tag, an dem wir die besondere Atmosphäre der Stadt auf uns wirken ließen. Bereits am ersten Tag fiel uns auf, wie selbstverständlich Sport zum Stadtbild gehört, ob an den Stränden, in Parks oder auf öffentlichen Sportanlagen.

Am nächsten Tag reisten wir weiter nach Porto Alegre, wo unsere erste Universitätswoche begann. Dort wurden wir herzlich an der Federal University of Rio Grande do Sul (UFRGS) sowie an der Federal University of Health Sciences of Porto Alegre (UFCSPA) empfangen.

Die Woche bot uns zahlreiche fachliche Einblicke in unterschiedliche Bereiche des brasilianischen Sportsystems. Bereits am ersten Tag erhielten wir einen Überblick über das Seminarprogramm sowie spannende Einblicke in die Grundlagen der Sportpolitik und des öffentlichen Sportmanagements in Brasilien. Außerdem lernten wir das Exercise Research Laboratory (LAPEX) kennen und beschäftigten uns unter anderem mit Themen wie Footvolley in Porto Alegre sowie der Rolle des Sports in der digitalen Plattformgesellschaft.

An der UFCSPA bekamen wir zudem spannende Einblicke in die Verbindung von Forschung, Lehre und Sportmedizin. Besonders interessant waren die Führungen durch das Realistic Simulation Center und das Rehabilitation Center, in denen Medizinstudierende praxisnah auf reale Situationen vorbereitet werden. Darüber hinaus beschäftigten wir uns mit Themen wie dem Rehabilitationsprozess professioneller Fußballspieler nach Verletzungen sowie gesundheitlichen Herausforderungen innerhalb von Fußballvereinen.

Ein weiterer interessanter Programmpunkt war der Besuch bei der Federação Gaúcha de Futebol. Dort erhielten wir tiefere Einblicke in die Strukturen und Governance des brasilianischen Profifußballs. Besonders spannend waren die Gespräche mit einem Schiedsrichter und einer Schiedsrichterin, die uns von ihren persönlichen Erfahrungen, Herausforderungen und Karrierewegen im brasilianischen Fußball berichteten. Außerdem beschäftigten wir uns mit Themen wie Coaching-Ausbildung, Talententwicklung im Fußball sowie pädagogischen Ansätzen im Breitensport.

Auch der Frauenfußball spielte während unserer Zeit in Porto Alegre eine wichtige Rolle. Wir tauschten uns mit ehemaligen Fußballspielerinnen über die Entwicklung des Frauenfußballs in Brasilien sowie die bevorstehende Frauen-Weltmeisterschaft 2027 aus. Besonders interessant war hierbei das Gespräch mit der Verantwortlichen für die Organisation der Frauen-WM 2027 in Porto Alegre. Dabei erhielten wir spannende Einblicke in die Planung und Organisation eines internationalen Großevents.

Besonders bereichernd waren auch die Einblicke in gesellschaftliche Fragestellungen rund um den Sport. Die Auseinandersetzung mit Themen wie Sportpolitik, Diversität, Geschlechtergerechtigkeit und kommunalen Sportangeboten eröffnete uns neue Perspektiven auf die gesellschaftliche Bedeutung des Sports.

Ein weiteres Highlight war der Besuch im Sportclub Grêmio Náutico União, wo wir verschiedene Trainingsmöglichkeiten und Sportangebote kennenlernen konnten. Während unseres Besuchs konnten wir selbst verschiedene Geräte der Rhythmischen Sportgymnastik testen und dabei unser Können unter Beweis stellen.

Außerdem bekamen wir die Möglichkeit, dem sozialen Fußballprojekt Campo do Piriquito einen Besuch abzustatten und mit den Kindern gemeinsam Fußball zu spielen. Dort wird Kindern aus sozial schwächeren Vierteln durch Sport eine Perspektive geboten.

Zum Abschluss der ereignisreichen Woche ließen wir die gemeinsamen Erfahrungen bei einem traditionellen Abendessen in einer Churrascaria ausklingen. In entspannter Atmosphäre konnten wir die Woche Revue passieren lassen und die brasilianische Gastfreundschaft noch einmal besonders genießen.

Nach einer interessanten Woche in Porto Alegre ging es schließlich zurück nach Rio de Janeiro, wo unsere zweite Universitätswoche in Rio de Janeiro begann. Dort wurden wir an der UERJ freundlich empfangen und auch hier erwartete uns ein spannendes Programm.

Die Vorträge behandelten unter anderem strategisches Management in Fitness-Franchises, athlete-centered service, Management im südamerikanischen Fußball, Risikomanagement im Abenteuersport sowie militärischen Sport in der brasilianischen Marine. Besonders spannend war dabei der Austausch mit den brasilianischen Dozierenden, durch den wir neue Perspektiven auf internationales Sportmanagement gewinnen konnten.

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die gemeinsame Canoeing-Tour unterhalb des Zuckerhuts. Gemeinsam paddelten wir hinaus aufs Meer, konnten zwischendurch im Wasser schwimmen und Rio aus einer einzigartigen Perspektive erleben. Auch dieses Erlebnis zeigte erneut die enge Verbindung von Sport, Natur und Gemeinschaft in Brasilien.

Neben den Veranstaltungen an der Universität hatten wir auch genügend Zeit, Rio de Janeiro näher kennenzulernen. Dabei konnten wir verschiedene Teile der Stadt erkunden und viele Eindrücke außerhalb des universitären Programms sammeln. Unter anderem unternahmen wir eine Wanderung zur Christusstatue sowie eine Sonnenaufgangswanderung, bei der wir Rio bereits in den frühen Morgenstunden erleben konnten.

Viel Zeit verbrachten wir außerdem an den Stränden Copacabana und Ipanema. Dort wurde uns schnell bewusst, wie präsent Sport im Alltag der Menschen ist. Egal zu welcher Tageszeit, entlang der Strände waren Menschen beim Joggen, Beachvolleyball, Beachtennis oder Fußballspielen unterwegs. So konnten wir die Stadt auch über ihren Alltag und ihre Sportkultur kennenlernen.

Rückblickend war die Exkursion nach Brasilien eine einzigartige Erfahrung, die uns nicht nur fachlich viele neue Perspektiven eröffnet, sondern auch als Gruppe noch enger zusammengeschweißt hat. Die Kombination aus sportwissenschaftlichen Einblicken, kulturellen Erfahrungen und persönlichen Begegnungen machte die Reise zu einem Erlebnis, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Unser besonderer Dank gilt allen Universitäten, Organisationen, Expert:innen und Gastgeber:innen vor Ort, die uns während unseres Aufenthalts mit großer Offenheit empfangen haben. Die vielfältigen Einblicke in Sport, Gesellschaft und Kultur sowie die zahlreichen Begegnungen und Gespräche haben maßgeblich zum Erfolg der Exkursion beigetragen und diese Reise zu einer bereichernden Erfahrung gemacht.

Stimmen der Studierenden:

Franziska Winand: "Die Exkursion nach Brasilien war für mich eine unvergessliche Erfahrung. In der ersten Woche in Porto Alegre stand ein vielseitiges Uni-Programm auf dem Plan, bei dem wir unterschiedliche Sportorganisationen kennenlernen und spannende Einblicke in den brasilianischen Sport erhalten konnten. Dadurch haben wir viele neue Eindrücke gesammelt und einen besseren Blick auf die Strukturen vor Ort bekommen. Anschließend verbrachten wir eine Woche in Rio de Janeiro. Dort konnten wir neben dem Programm auch die Stadt mit ihren berühmten Sehenswürdigkeiten, Stränden und ihrer besonderen Kultur erleben. Die Mischung aus akademischen Inhalten und Freizeit machte die Reise besonders abwechslungsreich. Was mir von der Exkursion am meisten in Erinnerung bleiben wird, sind die gemeinsamen Erlebnisse, die beeindruckende Atmosphäre Brasiliens und die vielen schönen Momente mit unserer Gruppe."

Luca Milia: "Brasilien ist in meinen Augen immer eine Reise wert, Rio de Janeiro ist und bleibt meine liebste Stadt der Welt. Aber auch unser Aufenthalt in Porto Alegre war sehr lohnenswert. Tolles Essen, sympathische und zuvorkommende Hosts sowie sehr interessante Themen."

Caroline Engel: "Die Zeit in Brasilien hat mir viele neue Perspektiven auf den Sport und dessen gesellschaftliche Bedeutung eröffnet. Vor allem die Gespräche mit den Menschen vor Ort haben deutlich gemacht, wie eng Sport in Brasilien mit dem Alltag und der Kultur verbunden ist. Die Exkursion war deshalb nicht nur fachlich spannend, sondern auch persönlich eine wertvolle Erfahrung."

English version:

How does sport management work in Brazil, and what role do sport, society, and culture play in everyday life? These were the key questions we explored from April 10 to April 28, 2026, as part of the module “Sport Management in Other Cultures” within our Master's program in International Sport Management (M.Sc.). As a group of six students from Johannes Gutenberg University Mainz, we traveled to Brazil to gain first-hand insights into Brazilian sport culture, the national sport system, and various social issues related to sport. The excursion combined academic learning with cultural experiences and numerous shared adventures.

After arriving in Rio de Janeiro, we spent a relaxed day immersing ourselves in the city's unique atmosphere. From the very first day, we noticed how naturally sport is integrated into the urban landscape, whether on the beaches, in parks, or at public sports facilities.

The following day, we traveled to Porto Alegre, where our first university week began. There, we received a warm welcome from the Federal University of Rio Grande do Sul (UFRGS) and the Federal University of Health Sciences of Porto Alegre (UFCSPA).

The week provided numerous academic insights into different areas of the Brazilian sport system. On the first day, we received an overview of the seminar program and gained valuable insights into the foundations of sport policy and public sport management in Brazil. We also visited the Exercise Research Laboratory (LAPEX) and explored topics such as footvolley in Porto Alegre and the role of sport in the digital platform society.

At UFCSPA, we gained fascinating insights into the connection between research, teaching, and sports medicine. Particularly interesting were the tours of the Realistic Simulation Center and the Rehabilitation Center, where medical students are trained in practical, real-life situations. We also explored topics such as the rehabilitation process of professional football players following injuries and health-related challenges within football clubs.

Another particularly interesting part of the program was our visit to the Federação Gaúcha de Futebol. There, we gained deeper insights into the structures and governance of Brazilian professional football. Especially engaging were the discussions with a male and a female referee, who shared their personal experiences, challenges, and career paths within Brazilian football. We also examined topics such as coaching education, talent development in football, and pedagogical approaches in grassroots sport.

Women's football also played an important role during our time in Porto Alegre. We exchanged ideas with former female football players about the development of women's football in Brazil and the upcoming FIFA Women's World Cup 2027. Particularly insightful was our discussion with the person responsible for organizing the 2027 Women's World Cup in Porto Alegre, who provided valuable perspectives on planning and managing a major international sporting event.

Equally enriching were the insights into broader social issues surrounding sport. Discussions on sport policy, diversity, gender equality, and municipal sport programs offered us new perspectives on the social significance of sport.

Another highlight was our visit to Grêmio Náutico União, where we were introduced to various training opportunities and sport programs. During our visit, we even had the chance to try rhythmic gymnastics equipment ourselves and demonstrate our own skills.

We also had the opportunity to visit the social football project Campo do Piriquito and play football together with the children. The project provides children from socially disadvantaged neighborhoods with opportunities and perspectives through sport.

At the end of this eventful week, we reflected on our shared experiences during a traditional dinner at a churrascaria. In a relaxed atmosphere, we reviewed the week's experiences and once again enjoyed Brazilian hospitality.

After an inspiring week in Porto Alegre, we returned to Rio de Janeiro, where our second university week began. At UERJ, we received another warm welcome and participated in an equally exciting program.

The lectures covered topics such as strategic management in fitness franchises, athlete-centered services, management in South American football, risk management in adventure sports, and military sports within the Brazilian Navy. The exchange with Brazilian academics was particularly valuable, as it allowed us to gain new perspectives on international sport management.

One of the most memorable experiences was the canoeing tour beneath Sugarloaf Mountain. Together, we paddled out to sea, took the opportunity to swim, and experienced Rio from a unique perspective. Once again, this activity highlighted the close connection between sport, nature, and community in Brazil.

In addition to the university program, we also had plenty of time to explore Rio de Janeiro. We discovered different parts of the city and gained many impressions beyond the academic setting. Among other activities, we hiked to Christ the Redeemer and participated in a sunrise hike, allowing us to experience Rio in the early morning hours.

We also spent a great deal of time on Copacabana and Ipanema beaches. There, it quickly became clear how present sport is in everyday life. At any time of day, people could be seen jogging, playing beach volleyball, beach tennis, or football along the shoreline. Through these experiences, we came to understand the city not only through its landmarks but also through its daily life and sporting culture.

Looking back, the excursion to Brazil was a unique experience that not only broadened our academic perspectives but also brought us closer together as a group. The combination of sport science insights, cultural experiences, and personal encounters made the trip an unforgettable experience that will remain with us for years to come.

We would like to express our sincere gratitude to all universities, organizations, experts, and hosts who welcomed us so openly during our stay. The diverse insights into sport, society, and culture, as well as the many encounters and conversations, contributed significantly to the success of the excursion and made this journey a truly enriching experience.

Students impressions:

Franziska Winand: "The excursion to Brazil was an unforgettable experience for me. During the first week in Porto Alegre, we participated in a diverse university program that allowed us to get to know various sport organizations and gain fascinating insights into Brazilian sport. As a result, we gathered many new impressions and developed a better understanding of the local structures. We then spent a week in Rio de Janeiro, where we were able to experience not only the academic program but also the city's famous landmarks, beaches, and unique culture. The combination of academic content and leisure activities made the trip particularly diverse and enjoyable. What I will remember most are the shared experiences, the incredible atmosphere of Brazil, and the many wonderful moments with our group."

Luca Milia: "In my opinion, Brazil is always worth a visit, and Rio de Janeiro remains my favorite city in the world. However, our stay in Porto Alegre was equally rewarding. Great food, friendly and welcoming hosts, and highly interesting topics made the experience truly worthwhile."

Caroline Engel: "My time in Brazil opened up many new perspectives on sport and its social significance. The conversations with local people especially highlighted how closely sport is connected to everyday life and culture in Brazil. For this reason, the excursion was not only academically stimulating but also a valuable personal experience."

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